Ein paar Takte zur Zucht im Allgemeinen und zur Knabstrupper-Zucht im Besonderen
Copyright Gwendolyn Gregorio

Züchten heißt, die Verantwortung tragen, daß aus einer gelungenen Anpaarung ein Fohlen entsteht,
welches entweder einen neuen Besitzer findet, oder gut genug ist, selbst wieder der Zucht zugeführt
zu werden. Dies bedeutet, daß man erstens einmal genau wissen muß, was man eigentlich züchten
will und zweitens den Hengst sorgfältig auszuwählen und dabei nicht die Mängel der Stute unter den
Tisch zu kehren. Man muß die Mängel erkennen und dann den Hengst auswählen, welcher genau
diese Mängel verhindert oder wenigstens verbessert. Einzig und allein eine Farbe zu züchten ist von
vornherein zum Scheitern verurteilt, wenn dabei nicht auch auf Qualität geachtet wird. Wo bleibt das
arme Fohlen, das nicht die gewünschte Farbe hat und auch keine Qualität aufweist? Dieses bringt
entweder wenig Geld, wenn man mit viel Glück einen Käufer findet oder es landet früher oder später
beim Pferdemetzger. Ich habe von einer Paint-Züchterin gehört, die ihre einfarbigen Fohlen versteckt
oder gar verhungern läßt, von Knabstrupper-Züchtern, die die Einfarbigen zum Schlachter bringen.
Davor verschließen leider viele „Farbzüchter“ die Augen, aber es muß einmal gesagt werden. Züchten
heißt, zu versuchen ein gutes „Produkt“ auf den Markt bringen zu können, welches auch noch ohne bunt
zu sein, die Menschen in Ah`s und Oh`s ausbrechen läßt. Der Farbzüchter hat deshalb eine doppelte
Verantwortung bei der Anpaarung seiner Stute, denn er muß auf zwei Kriterien achten, nämlich
auf Qualität und Farbe.

Nun zur speziellen Zucht des Knabstruppers. Hier muß endlich einmal gesagt werden, daß der Knab-
strupper zu keiner Zeit als barockes Pferd gezüchtet werden sollte, sondern man bemühte sich schon vor Jahrzehnten in Dänemark, wo der Knabstrupper ja auch ursprünglich herstammt, durch Einzüchtung mit Arabern und Vollblütern ein edleres und leistungsfähigeres Pferd zu züchten. Wer auch immer erfunden hat,
daß der Knabstrupper ausschließlich barock sein muß, hat sich nie genau mit der Geschichte dieser Zucht
auseinandergesetzt, sondern wahrscheinlich nur seine eigenen Interessen vertreten. Der Knabstrupper hat
seinen Namen, weil seine Wiege das Gut Knabstrup in Dänemark war und entstanden ist er aus einer
stichelhaarigen Fuchsstute, welche ein spanischer Offizier nach seiner Gefangenschaft in Dänemark zurück-
gelassen hat. Diese Fuchsstute war ein Roan oder ein Frost, wie er auch in der Appaloosa-Zucht oftmals
vorkommt. Diese Stute nun wurde mit Frederiksborger-Hengsten angepaart.

König Frederik II. von Dänemark gründete auf Schloß Frederiksborg ein Gestüt, welches später zu den
berühmtesten der ganzen Welt zählte. Sinn und Zweck des Königshauses war, die schönsten und edelsten
Pferde zu bekommen, damit man es mit den anderen Pferdezuchten aufnehmen konnte. Der Frederiksborger
entstand aus Spaniern und Neapolitanern und es wurde stark die Farbzucht betrieben. Dadurch wurde diese
Rasse weit verbreitet, da jeder gerne ein Pferd mit ausgefallener Farbe vor der Kutsche oder unter dem
Sattel haben wollte. Es gab Gestütsabteilungen mit Blauschimmeln, Mohrenköpfen, Weissisabellen, Grau-
schimmeln, Dunkelisabellen (Palominos), Rappen, Braunen und Füchsen. Heute gibt es nur noch ausnahms-
los Füchse. Die Bedeutung wurde auf elegantes Exterieur, lebhaftes aber braves Temperament und kräftige,
raumgreifende und hohe Aktion gelegt. Der Frederiksborger nahm nachhaltig Einfluß auf die Lipizzaner und
Orlow-Traber. Der Pluto- und Deflorata-Stamm der Lipizzaner sind dänischen Ursprungs. Auf alten Stichen
und Gemälden findet man oftmals Tigerschecken unter den Lipizzanern. Auch bei den Frederiksborgern
wurde viel Araber- und Vollblut eingekreuzt um zu veredeln. Es war nie vorgesehen, daß diese Rasse barock sein sollte.

Der Knabstrupper ist als eigene Rasse anerkannt, aber eigentlich ist er eine Neben-(Farbzucht-)Abteilung
des Frederiksborger. Es gibt ihn erst seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Da der Frederiksborger
veredelt wurde, nahm dies auch Einfluß auf die Knabstrupper-Zucht. Zusätzlich wurde in der Knabstrupper-
Zucht mit Arabern und Vollblütern veredelt. Dies brachte bessere Bewegungen und mehr Ausdauer. Der
Knabstrupper war nie eine Zucht des barocken Pferdes, sondern aus Gründen von Farbliebhabern eine reine Farbzucht. Es wurde deshalb in Dänemark auch immer wieder Fremdblut mit eingekreuzt um die Inzucht zu
vermeiden, da der Pferdebestand viel zu gering ist und es im Grunde als Kulturgut den Knabstrupper zu
erhalten gilt. Für dieses Kulturgut steht aber nicht der barocke Typ, sondern der Knabstrupper wird unaus-
weichlich mit der Tigerscheckung verbunden. Wie sonst könnte es kommen, daß ein Knabstrupper im
„barocken Typ“, aber ohne Tigerscheckung, sondern nur einfarbig, eben nicht als Knabstrupper erkannt wird,
sondern dies nur auf dem Papier ist. Ein Tigerschecke, gleich welchen Typs, wird jedoch sofort als Knab-
strupper bezeichnet, gleichgültig ob er dies nun ist oder nicht.

Um den Knabstrupper als Kulturgut zu erhalten, benötigt man demnach nicht den „barocken Typ“, sondern
den richtigen Farbpinsel, der möglichst einen Volltiger erschaffen soll, denn leider werden die anderen
Variationen der Tigerscheck-Vererbung nicht so gern gesehen, was eigentlich nicht richtig ist, denn mit der
richtigen Anpaarung erhält man wieder die so verherrlichte Volltigerung. Die Knabstrupper -Zucht verfügt
leider nur über eine geringe und ziemlich gleichblütige Population und man kann also nur zu dem Schluß
kommen, daß zur Vermeidung der Inzucht und zur Verbesserung der Reitpferde-Qualität unbedingt Fremdblut
eingekreuzt werden muß. Abgesehen davon war es in der Knabstrupper-Zucht schon immer üblich frisches
Blut einzukreuzen und was dann herauskam, war eben wieder ein Knabstrupper, da der Wert auf die Qualität,
die Farbe und den liebenswerten Charakter gelegt wurde und die Blutmischung dazu da war, dieses Ziel zu
erreichen. Nachweislich wurde der Knabstrupper in seinem Mutterland Dänemark immer den Erfordernissen
der Nachfrage hin gezüchtet, d.h. man hat hier vom Wagenpferd, über das Zirkuspferd, das Reit- und Sport-
pferd in der Tigerscheckung im Auge gehabt. Dänemark läßt zu diesem Zweck die Einkreuzung von Warm-
blutrassen und Veredlerrassen für den großen Sport-Typ (z.b. Oldenburger, Trakehner, Vollblüter und Araber)
und die Ponyrassen Welsh, New Forest, Connemara, Dartmoor, Reitpony und Shetland Pony für den kleinen
Typ zu. Bei zu körenden Hengsten werden keinerlei Bedingungen an ihren Anteil von Knabstrupperblut
gestellt. Die Eintragung von Hengsten bzw. Stuten aus denen ein körfähiger Hengst gezogen werden kann,
wurde den EU-Regeln angepaßt. Das heißt, daß für körfähige Hengstfohlen, welche ab 1996 geboren
wurden, die Mutter, die Großmutter und die Urgroßmutter im Stutbuch eingetragen sein müssen (3 Gene-
rationen volles Pedigree). Für ab 1997 geborene Hengstanwärter muß die Mutter, die Großmutter, die Ur-
großmutter und die Ur-Urgroßmutter eingetragen sein (4 Generationen volles Pedigree).

Noch einmal möchte ich darauf hinweisen, daß das Wort barock in der Knabstrupperzucht nur bedeutet, daß
der Knabstrupper eine Pferderasse im Sinne von „althergebracht“ ist. Der wirkliche Zweck dieser Rasse war
die Farbzucht, warum sonst läßt man die armen „unbunten“ Knabstrupper unter den Tisch fallen? Es könnte
doch wirklich einmal ein guter einfarbiger Knabstrupper gekört werden, da er ebenso gut Farbe weiterver-
erben kann wie ein bunter und um zu beweisen, daß hier Qualität und nicht nur Farbe wichtig ist. Im übrigen ist
es kein Grundkriterium dieser Rasse, ein Volltiger zu sein. Wobei wir bei dem Thema Farben angelangt sind.
Es gibt 12 (in Worten zwölf) Variationen der Tigerscheckung und alle diese können beim Knabstrupper wie beim Appaloosa und anderen Tigerscheck-Zuchten vorkommen:

1. Frost (Stichelhaar)                                                              
2. Weiße Kruppe, ohne Flecken
3. Weiße Decke, ohne Flecken                                   
4. Roan (Dauerschimmel)
5. Schneeflocke                                                   
6. Mottled (Gesprenkelt)
7. Weiße Kruppe, getigert                                    
8. Weiße Decke, getigert
9. Leopard oder Volltiger                                             
10. Speckled (Gefleckt)
11. Roan mit Flecken
12. Weißgeborener (few spot)

Hierzu kommt dann noch der Einfarbige, welcher wiederum in zwei Variationen aufzuspalten ist, nämlich
den Einfarbigen ohne Anzeichen von Tigerscheckmerkmalen und den Einfarbigen mit Anzeichen von Tiger-
scheckmerkmalen. Letztere Variante kann auch mit einfarbigen Hengsten wieder Farbe weitergeben.

Das heutige Knabstrupper-Sportpferd ist aufgrund seines guten Charakters, seiner Rittigkeit und seiner
Leistungsfähigkeit geeignet, in allen Sparten des Sports, aber auch im Freizeitbereich, eingesetzt zu werden.
Gleichgültig was wir züchten, ob Freizeitpferd, Pony oder Sportpferd, die Qualität muß an erster Stelle stehen
und Ponies oder Reitpferde sind es allemal, was man dann daraus macht, wie man das Pferd einsetzt, im
Freizeitbereich, im Showbereich oder im Sport, hat nichts mit dem Typ zu tun, sondern einzig und allein mit
dem, was der Eigentümer des jeweiligen Pferdes daraus macht, wofür er das Pferd nutzt. Farbe sollte immer
nur der Klecks Sahne auf dem Irish Coffee sein.

Gwendolyn Gregorio
Pferdewirtschaftsmeisterin Z+H